Doch kann man mit Musik auch etwas in einem Unternehmen bewirken?

Stefanie Brinkmann wollte es wissen, packte drei Kollegen ins Auto und fuhr mit ihnen zu einem Rock-Workshop nach Hamburg.

„Wie? Das gefällt euch nicht?“ Georg ist enttäuscht. Wir mögen die Musik nicht, die ihn glücklich macht. Dabei hat er extra all seine Lieblingssongs sorgfältig ausgewählt, um sie uns während der vierstündigen Autofahrt von Düsseldorf nach Hamburg in einer ausgefeilten Reihenfolge vorzuspielen. Doch zwischen seiner Leidenschaft für Metal-Bands wie Tool oder Nine Inch Nails und meinem Musikgeschmack liegen Welten. Mein Motto lautet: Ob Rock, ob Pop – alles ist gut, solange es mich entspannt. Doro-thees Plädoyer für klassische Musik quittiert Georg grummelnd mit „Alles zu seiner Zeit, aber nicht zu meiner“. Alicia hält sich einfach aus der Diskussion heraus. Aus uns soll heute noch eine Band werden? ­Niemals.

400 Autobahnkilometer und Dutzende Songs später treffen wir im Tonstudio von Jan Pierre Klage auf die Leute, die das schaffen wollen. Genau so steht es nämlich in der Unterzeile des Firmennamens Rocking Business: Teamentwicklung über Musik. Klage, Managementberater und Kopf hinter Rocking Business, empfängt uns, seine ­Coaches erwarten uns schon: Um einen großen Holztisch, auf dem sich Laptops, Kaffeetassen und Pizzakartons stapeln, sitzen Charlie Waldschmidt (Gesang), Alex Höffken (Schlagzeug) und Felix Gerlach (E-Gitarre) und blicken uns erwartungsvoll an. Was hier so lässig an eine Studenten-WG erinnert, ist der Besprechungsraum erfahrener Musiker.

Sie alle haben ein Hochschulstudium in der Tasche und geben seit Jahren Unterricht. Zurzeit planen sie als Popband „Lastbird“ den Sprung auf die große Bühne.

Rocking-Business-Chef Jan – „wer erfolgreich zusammen Musik machen will, muss sich duzen“ – erläutert uns sein Konzept. Knapp, anschaulich und, wie wir finden, ziemlich überzeugend: „Warum sollte es im Beruf nicht auch mal wie in einer Musikband zugehen dürfen? Spaß haben, miteinander reden und gemeinsam wachsen. Das macht schließlich ein erfolgreiches Team aus. Und wer heute in seinem Job etwas rocken möchte, braucht, wie ein echtes Bandmitglied, Flexibilität und Nervenstärke.“ Eine „einzigartige Gruppenerfahrung“ verspricht uns Rocking Business. Dafür haben Jan, Charlie, Alex und Felix das Lied „Tage wie diese“ von den Toten Hosen so bearbeitet, dass wir Musiklaien es mit Schlagzeug, Bass, E-Gitarre und Gesang ganz ohne Vorkenntnisse und innerhalb weniger Stunden einstudieren können. So weit die Theorie. In der Praxis fallen meine ersten Versuche mit E-Gitarre, Bass und Schlagzeug allerdings sehr ernüchternd aus. Die Saiten der E-Gitarre schneiden mir in die Fingerkuppen. Beim Bass passiert außer einem dumpfen Wummern nicht viel. Und beim Schlagzeug verzweifle ich, da meine rechte Hand und mein linker Fuß partout nicht zusammenarbeiten wollen. Ich scheine ein schwieriger Fall zu sein. Was, wenn es den anderen genauso geht? Mir ist mulmig.

Doch Jan als Supervisor macht uns Mut: „Alles kann, nichts muss“, betont er. Gesang, das könnte bei mir klappen. Immerhin habe ich acht Jahre im Schulchor gesungen. Schnell finden auch meine Kollegen heraus, an welchem Instrument sie ihr Glück versuchen möchten. Dorothee entscheidet sich für die E-Gitarre, Alicia möchte Bass ­spielen, Georg setzt sich ans Schlagzeug.

„Di-da-do, Flussss-Kussss, ptk-ptk-ptk“: Charlie, mein Vocal Coach, verhilft meinen Tönen mit der ganzen Breite an Stimmbildungsübungen zu ungeahnter Höhe. Wir üben den Song immer wieder, erst zusammen, dann ich alleine. Nach einer Pause wollen wir weitermachen, doch mit einem Mal ist nur noch ein dünnes Fiepsen zu hören, meine hohe Stimmlage ist weg, futsch, als wäre sie nie da gewesen. Charlie nimmt mich beruhigend zur Seite. Jetzt singen wir den Song nochmal gemeinsam, so laut es geht. Und plötzlich ist der Ton wieder da – voll und gerade, ganz, wie er sein soll.

ROCKSTAR FÜR EINEN TAG

 

Managementberater Dr. Jan Pierre Klage gründete

„Rocking Business“ vor drei Jahren.

 

Die Idee:

Im eintägigen Workshop „Rockstar für einen Tag“ wachsen Mitarbeiter zu einer echten Rockband zusammen, die noch am selben Abend einen kompletten Song aufführt. Musikalische Vorkenntnisse sind dafür nicht erforderlich. Der Ausflug in die Welt der Musik, so das Konzept, lässt die Mitarbeiter spielerisch Grenzen überschreiten, Perspektiven wechseln und dient der konstruktiven Teamgestaltung.

 

Termine für offene Trainings in Hamburg oder Inhouse-Trainings für Unternehmen gibt es auf Anfrage unter

 

klage@drkmb.de

oder

+49 175 900 20 80

www.rocking-business.com

Wir, die vier zukünftigen Bandmitglieder, sind aus dem Marketing, der Anzeigenabteilung, der Redaktion und der Grafik von corps. Je nach Projekt arbeiten wir mal mehr, mal weniger eng zusammen. Aber ein festes Team in dieser Konstellation waren wir noch nie – bis jetzt, hier in Hamburg. Das Finale rückt näher. „Für 17 Uhr“, hat Jan verkündet, „haben wir euren gemeinsamen Auftritt geplant.“ Im Aufnahmestudio soll dieser Augenblick verewigt werden. Wir sind nervös.

Alle, bis auf einen: Georg. Er lacht und freut sich schon den ganzen Nachmittag über seinen Einsatz am Schlagzeug. Kein Wunder: Was er da zusammentrommelt, klingt, als habe er nie etwas anderes gemacht. Dorothee und Alicia nutzen jede Minute, um schwierige Akkorde nochmal mit den Coaches durchzugehen. Auch mir, der Frontfrau, schlägt das Herz bis zum Hals – selbst wenn wir noch lange nicht „on air“ sind. Georg zählt an: Eins, zwei, drei, vier! Dann legen wir los. Es klingt furchtbar.

DIE BANDMITGLIEDER

 

Georgios (Georg) Giavanoglou

Schlagzeug, spielt zu Hause am liebsten ­

E-Gitarre und konnte aus dem Stand mit den Coaches jammen.

 

Dorothee Vogt

E-Gitarre, ist ihrem Coach Felix für seine Geduld immer noch dankbar.

 

Alicia-Malaika Schreiner

Bass, hätte nie gedacht, dass man aus einem Bass so viele unterschiedliche Töne herausholen kann.

 

Stefanie Brinkmann

Gesang, freut sich auf die erste

„Lastbird“-CD. Glückwunsch, Jungs!

Betreten schauen wir uns an doch die Coaches fordern: „Gleich nochmal!“ Mit jedem Durchlauf werden wir sicherer, beginnen, auf den anderen zu achten: Fällt einer aus dem Rhythmus, fangen wir ihn wieder ein. Dorothee bleibt mit der E-Gitarre hängen, immer am vierten Akkord, und ärgert sich. Wir spielen die Passage wieder und wieder, bis sie schließlich erleichtert sagt: „Jetzt hab‘ ich’s!“. Eine Band? Vielleicht könnten wir tatsächlich eine werden.

Georg sitzt, gewohnt locker, am Schlagzeug, wir anderen greifen uns Instrumente und Mikro: Showtime! Dorothee hat erst einmal den schwierigsten Part: Mit ihren E-Gitarren-Akkorden spielt sie das Intro – alleine. Georg, Alicia und ich steigen ein: „Ich wart seit Wochen auf diesen Tag. Und tanz vor Freude über den Asphalt.“ Und plötzlich ist er tatsächlich da, dieser ganz besondere Teammoment: Alles passt, alles klingt. Hurra, wir sind eine Band! Und einen Namen, der perfekt in Georgs CD-Regal passen würde, haben wir auch: „Hardcorps“.

Am nächsten Morgen trällern wir immer noch unser Lied Alicia überlegt, mit dem Bass-Spielen weiterzumachen. Auf der Rückfahrt nach Düsseldorf reden wir wieder über Bands und Musiker, die unser Leben geprägt haben – und stellen fest: „Simply Red“, die mochten wir alle irgendwann einmal.

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