JEDER WANDERT ANDERS AUS

Konny Reimann ist Deutschlands bekanntester Auswanderer. Der schnauzbärtige Do-it-yourself-Bauherr und seine ­Familie schufen sich im texanischen Gainesville ein kleines Imperium inklusive Leuchtturm. Seit Jahren schauen ihnen die deutschen Fernsehzuschauer dabei zu, wie ihre selbst gebaute Oase weiter wächst – wieso nur?

Interview DOROTHEE VOGT Fotos RTL2

Guten Morgen nach Texas, Herr Reimann! Schön, dass Sie so früh für uns aufgestanden sind. Es ist noch nicht mal acht Uhr bei Ihnen.

 

Moin, moin.

 

Herr Reimann, Sie haben in Texas mit nichts angefangen, ohne Wohnung, ohne Job, ohne Sprachkenntnisse. Andere scheitern – Sie sind zum Helden geworden. Wieso?

 

Man darf nicht alles glauben, was im TV gezeigt wird. Die Fernsehleute wissen: Sie kriegen mehr Quote, wenn sie Leute zeigen, die es wahrscheinlich nicht schaffen werden.

Und wenn Sie sich vergleichen mit Auswanderern, die Sie kennen?

 

Jeder Mensch wandert halt anders aus. Geht in ein anderes Land, hat andere Beweggründe, einen anderen finanziellen Background. Ich gebe ungern Tipps. Außerdem hat unsere Familie sich schon in Hamburg von anderen unterschieden. Bei jedem Rückschlag sagen wir einfach: „Okay, dann machen wir’s halt anders. Nicht lamentieren, einfach weitermachen.“

 

Da ist es ja doch, das Geheimnis Ihres Erfolgs ...

 

... vielleicht. Die Kunst ist, nicht zurückzuschauen. Wenn man Ja gesagt hat, muss man sich im Klaren sein, dass das alte Leben erst einmal vorbei ist. Und man kann sich im neuen Land nicht einfach hinsetzen und warten, dass die Arbeit auf einen zukommt. Ist eigentlich nicht anders als in Deutschland.

 

Wenn man Sie im Fernsehen sieht, mag man fast glauben, Ihre Auswanderung sei ein kindliches Abenteuer. Täuscht das?

 

Na ja, in den zehn Jahren, die wir in Texas sind, haben wir durchgearbeitet, Tag und Nacht, auch am Wochenende.

 

Wann haben Sie denn zum ersten Mal Lust auf Texas bekommen?

 

Vor elf oder zwölf Jahren haben wir einen Freund in Texas besucht. Drei Tage waren wir dort. Am zweiten Tag haben Manu und ich uns tief in die Augen geschaut, und dann wussten wir: „Okay, hier wollen wir her.“

 

Jetzt übertreiben Sie aber, oder?

 

Nein. Zurück in Deutschland, haben wir alles in die Wege geleitet, mit der Green Card und so. Ein Jahr später war alles geregelt – und es ging los.

 

Wie schnell haben Sie Ihre Kinder Janina und Jason überzeugt, dass das US-Leben mehr Spaß machen könnte als das in Deutschland?

 

Die haben sofort gesagt: Da, wo Mama und Papa hingehen, da gehen wir auf jeden Fall auch hin.

 

Was ging Ihnen denn damals in Hamburg gegen den Strich?

 

Nichts. Gar nichts. Wir sind ausgewandert ohne jeglichen Groll. Wir hatten ein unglaublich schönes Leben in Hamburg,  wollten einfach mal was Neues machen. Wir sind von einem Paradies ins nächste gekommen. Nur mussten wir das neue erst noch bauen.

 

In Ihrer Doku-Soap „Die Reimanns – Ein außergewöhnliches Leben“ auf RTL 2 sehen Ihnen die Fans beim Sägen, Hämmern, Schleifen und bei Shoppingtouren zum Baumarkt zu. Was ist denn daran so faszinierend?

 

Wir gehören zu den Leuten, die nicht träumen, sondern machen. Unsere Pläne für etwas Neues entstehen ad hoc. Wenn wir irgendeine Idee haben, setzen wir sie um.

 

Ein riesiges Grundstück mit selbst gezimmerter 1.000-Quadratmeter-Villa und vier Gästebungalows, nun noch eine Karateschule und eine Kinderboutique. Wieso kriegen Sie nie genug?

 

Ich habe so viele Ideen, dafür reicht ein Leben nicht aus. Gerade mal zehn Prozent dessen, was ich machen will, ist fertig. Handwerker sind mir viel zu teuer. Außerdem kann niemand so gut arbeiten wie ich. Ich bin pingelig.

Kürzlich lief die neueste Staffel Ihrer Doku-Soap. Dazu kommen zahlreiche Werbeverträge. Sind Sie nicht längst stinkreich?

 

Nein, das täuscht.

 

Darf ich fragen, wie alt Sie überhaupt sind?

 

Ich bin Baujahr 55, bin jetzt 59, glaub' ich.

 

Dann freuen Sie sich sicher allmählich auf die Rente, oder?

 

Diese Rentengeschichte ist nur eine Zahl, die vom Gesetzgeber festgelegt wird. Ich werde bestimmt mit 80 oder 90 noch auf der Leiter mit meinem Werkzeug rumhantieren. Irgendwann fall' ich dann tot herunter – mit dem Akkuschrauber in der Hand.

 

Vor zehn Jahren sind Sie in Gainesville gelandet. Wie sieht die Jubiläumsparty aus?

 

Das haben wir erst mal verschoben. Wir haben zu viel zu tun.

 

Man kennt Sie mit Cowboyhut, Blaumann und Wildweststiefeln. Was tragen Sie auf Heimatbesuch im vornehmen Hamburg?

 

In Deutschland tausche ich dann den Blaumann gegen eine Jeans aus.

 

Sie sind kürzlich Opa geworden. Wird es nicht spätestens jetzt Zeit, die Beine hochzulegen?

 

Wieso wird es Zeit, die Beine hochzulegen?

 

Weil die meisten die Beine hochlegen möchten, sobald es irgendwie möglich ist. Noch eine letzte Frage: Sie sind seit sieben auf den Beinen. Was steht heute noch an?

 

Wir müssen dringend unseren Greyhound-Bus fertig kriegen. Übermorgen geht’s mit dem wieder auf Tour. Wenn wir zurück sind, ist wieder unser Haupthaus dran, das ist noch lange nicht fertig. Dann müssen wir die Gästehäuser auf Vordermann bringen. Und außerdem wartet unsere Hafenkneipe auf eine neue Terrasse.

 

„Nicht lamentieren,

einfach weitermachen“

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